Mühlenspiegel 15

Fußball, Ulrike Haase (SV Kranichberg) vorher Volley- ball und Tischtennis. Die Fußballer sind sehr aktiv und haben schon an mehreren Begegnungen mit international gemischten Mannschaften - vor allem aus benachbarten Brandenburger und Berliner Willkommen- sinitiativen - teilgenommen. Einige Pokale und Trophäen konnten bereits in das Café Welcome mitgebracht werden. Sportliches Highlight war ein von Ulrike organi- siertes Trainingswochenende mit dreißig deutschen und syrischen Teilnehmern vom 29. April bis 1. Mai im Sport- und Bildungszentrum Lindow (Mark). Für den Samstagabend hatte Volker dort zu seinem 50. Geburtstag eingeladen. Es wurde gemeinsam gekocht, gegessen, getanzt: „War det schön in Lindow “, schwärmte er hinterher – und zwei Wo- chen später feierte Alexander seinen Geburtstag im Café Welcome. (Samar und Firhad haben zwei Tage lang das ara- bische Essen vorbereitet.) Um 18:00 Uhr ist Schichtwechsel: Ilona wird von Sandra Lon- gardt abgelöst. Eigentlich übernehmen immer zwei Mitarbeiter den Zwei- Stunden-Dienst im Café, und einige Ehepaare aus Schildow und Mühlenbeck, aber auch aus dem Nachbarort Glienicke gehören daher zum Stamm- personal. Aber wenn sich mal nur eine Person gemeldet hat, ist das kein Problem, denn die meisten Besucher sind einge- arbeitet und helfen gerne mit, zum Beispiel Joana Ohme, die fast immer dabei ist: einfach so zum Gespräch, um bei der Regelung von Angelegenhei- ten zu beraten oder zu helfen oder um Verabredungen für privaten Deutschunterricht zu treffen: „In den letzten Wo- chen haben wir uns mit dem Abfassen von Lebensläufen beschäftigt. Die brauchen sie bei Bewerbungen.“ Heute trägt sie eine der beiden Gehstützen von Erban die Treppe hinauf: Er kommt langsam mit der anderen hinterher, das rechte Knie nach einer Operation noch bandagiert. Er hat in Frohnau eine Mietwohnung gefunden und hofft auf eine Ausbildung als Krankenpfleger. Fast immer ist das Café um diese Zeit knackevoll, denn man weiß, dass man hier im- mer Gesprächspartner findet, die sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden oder zumindest verstehen, was einen bewegt oder die Aus- kunft geben können: „Und was macht ...?“ „Der lebt jetzt bei seinem Bruder in München.“ Unklar ist die Perspektive der pakistanischen Flüchtlinge, die nur ein sehr eingeschränk- tes Aufenthaltsrecht haben. Während die meisten ehemali- gen Bewohner der Schildower Notunterkunft mittlerweile an Integrationskursen teil- nehmen und mit der Suche nach Wohnung, Ausbildung und Arbeit beschäftigt sind, bemühen sich andere um ihre Familienzusammenführung: „Meine Frau und meine vier Kinder sind in Aleppo dau- ernd in Lebensgefahr“, sorgt sich Adnan. Eine für alle Betroffenen gültige Antwort auf die Frage „An- gekommen - und wie weiter?“ gibt es nicht. Im Interview beschreibt Mohamad seine persönlichen Erfahrungen und Empfindungen: „Nach meiner Ankunft in München wurde ich nach Eisenhütten- stadt verteilt und von dort aus in den Norden Berlins nach Schildow. Dieses kleine Dorf ist meine zweite Heimat geworden. Ich habe dort viele Deutsche, Syrer und Afgha- nen kennengelernt, und es sind herzliche Freundschaften entstanden. Wie ich mir meine Zukunft vorstelle? Als Bauin- genieur meinen gesellschaftli- chen Beitrag leisten und meine Ideen umsetzen zu können. Dazu muss ich Deutsch lernen und die Deutschen noch intensiver kennenlernen. Ich möchte heiraten und Kin- der haben. Ich kann mir auch vorstellen, bis dahin wieder in Syrien zu sein und einen ei- genen Beitrag für den Frieden zu leisten. Den Wunsch nach Frieden haben alle Menschen: Deutsche, Syrer, Christen, Juden, Moslems. Warum können wir nicht friedlich und brüderlich miteinander leben?“ ORTSTEILE FLÜCHTLINGE BEGEGNUNGEN Text: Harald Grimm Foto : Volker Gäng

RkJQdWJsaXNoZXIy NzY5NzY=