Mühlenspiegel 42

steht. Das Haus hat keine Flure, sondern besteht aus zwei Reihen hintereinander geschalteter Räume, die sich im Eingangsbereich mit seiner markanten Holztreppe durchdringen. Vom Entrée führt die Achse direkt in den Gartensaal mit Seeblick: doppelstöckig, himmeloffen, frei schwebend. Rechts und links abgehend vom Gartensaal zwei Räume, getrennt voneinander mit Flügeltüren. Öffnet man diese aber, so kann der Blick schweifen. Ein typisches Merkmal für die "Berliner Schule" – wie auch die großen Fenster und die zwei (Sicht-)Achsen. Die offene Decke des Gartensaals erlaubt den Blick auf die Galerie im Obergeschoss. Hier eingestellt sind zwei autonome Raumzellen, ihre Klapptüren variieren das Enfilade Motiv unten. Aber, statt Holzbalken blick man auf Stahlbalken. Diese gehören zu dem Kubus, der das Obergeschoss des Gutshauses ausfüllt. Ein Kompromiss zwischen den Bauherren und dem Denkmalschutz. Dieser ermöglichte eine offene und lichtdurchflutete Raumgestaltung. Und des Besondere: Tritt man aus dem Stahlkubus hinaus, so steht man noch im Haus, besser gesagt, im Dach. Der so entstandene Raum kann frei variiert werden, durch das Aufschieben der riesigen Glasfronten oder, und das ist der Clou, man hebt das Dach partiell und hat somit eine offene Terrasse. Ein ähnlich kreatives Detail ist die Möglichkeit, alle Türen im oberen Bereich so zu öffnen oder zu schließen, dass sich jeweils neue Raumkonzepte oder Kombinationen ergeben. Ein langer Weg Der Ausbau zog sich über Jahre hin – Denkmalschutz, Corona, Handwerker- und Materialmangel trugen zu den Verzögerungen bei. Aber 2016/17 – nach vielen verworfenen Ideen, Varianten und Gesprächen mit den Behörden, konnten die Bauarbeiten beginnen. Dank toller Handwerker aus Summt und der Ostprignitz konnten Martin Janeković und Monica Wurfbaum im Jahre 2020 in ihr neues Zuhause einziehen. Christian Ebner und sein Partner werden nach der Fertigstellung des ehemaligen Mühlenhauses folgen. Denn, das Gutshaus Summt ist Teil eines ganzen Ensembles. Dazu gehören neben dem Gutshaus das Verwalterhaus, das ehemalige Mühlenhaus, die Scheune und die Stallungen der Pferde. Den Mittelpunkt bildet der Innenhof. Er soll auch in Zukunft das verbindende Element sein – das Zentrum. Denn die Idee ist, dass alle Gebäude wieder aufgebaut oder umgebaut werden sollen. 26 / Gutshaus Summt Das Gut Summt Mittelpunkt einer einst ausgedehnten Anlage mit Stallungen, Verwalterhaus, Mühle und Ländereien. Das typische Produkt der sogenannten ,,Berliner Schule", das Herrenhaus mit klassizistischen Stuckdetails, die Nebengebäude mit sichtbar belassenem Backstein und den charakteristischen Segmentbögen. Nach dem Ersten Weltkrieg war das Gut geteilt, Land und Bauten stückweise abverkauft worden. Das Herrenhaus wurde zum Ausflugslokal umfunktioniert, Anziehungspunkt weit über das Dorf hinweg. Das Entwurfsprinzip für den Umbau der Häuser ist das sog. “Haus im Haus” Prinzip. Die Bestandsgebäude werden instandgesetzt und möglichst in ihrem ursprünglichen Zustand belassen. Die Ertüchtigung der Gebäude hinsichtlich heutiger Nutzungsanforderungen und Wärmedämmung erfolgt durch den Einbau einer abgelösten zweiten Hülle. Dazwischen entsteht ein wettergeschützter Außenraum, der als Wohnerweiterung dient. Beim Gutshaus selbst wird dieses Prinzip nur im Dachgeschoss angewendet. Eine der Sichtachsen im Obergeschoss. Links und rechts gehen die Räume ab. Im Oben– große Glasfronten und Schiebetüren ermöglichen eine offne Raumaufteilung Das Verwalterhaus Der Blick vom Gartensalon nach oben zur Galerie. Durch die großen Fenster sieht man die Streckmetallmatten auf dem Dach

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