42 / Der neue Leiter des gemeinsamen Bauamtes Mühlenbeck und Glienicke/Nordbahn Mit 38 Jahren übernahm Leo Schmidtmann am 1. Januar die Leitung des interkommunalen Bauamtes. Geboren in Nepal als Sohn von Eltern im Auswärtigen Dienst, aufgewachsen in Bremen und Berlin, führte ihn sein Weg zunächst nicht in die Stadtplanung, sondern in die Pflege. Nach einer Ausbildung zum Krankenpfleger arbeitete er in Berliner Kliniken, während der Corona-Pandemie half er in verschiedenen Krankenhäusern aus. Erst danach entschied er sich für ein Studium der Stadt- und Regionalplanung an der Technische Universität Berlin, das er mit Bachelor und Master abschloss. Ein Stipendium brachte ihn ins Sultanat Oman, sein Auslandspraktikum absolvierte er in den USA. Nach Stationen als Sachbearbeiter folgte das technische Referendariat beim niedersächsischen Wirtschaftsministerium, das er mit Prädikat abschloss. Ebenso wie beim Bauamt kooperieren wir bei diesem Interview mit Glienicke. Der dort erscheinende Glienicker Kurier sprach mit „unserem“ Herrn Schmidtmann über seinen ungewöhnlichen Karriereweg, über die Signalwirkung des einzigen interkommunalen Bauamtes in Deutschland, über die Digitalisierung und das Zusammenwachsen der beiden vorher eigenständigen Bauämter. Lesen Sie hier das Interview: Herr Schmidtmann, Ihr Weg führte Sie vom Krankenpfleger über internationale Stationen bis ins Bauamt – wie kam es zu diesem ungewöhnlichen Karriereweg? Dieses Interesse an der Stadtplanung ist ja doch ein Quantensprung. Leo Schmidtmann: Ich fand die Stadt schon als Kind immer äußerst interessant. Stadt ist ja ein Organismus für sich, ähnlich wie auch der menschliche Körper. Die Stadt pulsiert, die Stadt lebt und die Stadt ist der Ort, an dem ich mich überwiegend aufhalte. Ich selbst wohne in Berlin, bin auch immer in Großstädten aufgewachsen und habe dadurch natürlich auch eine besondere Verbindung zur Stadt. Für mich war auch immer interessant zu sehen, wie sich das Miteinander in der Stadt verhält. Wie sind die Abläufe in der Stadt und wie wird Stadt überhaupt gestaltet? Gibt es nur den Baukörper oder befinden sich dahinter auch soziale Konstrukte? Gerade in Berlin haben wir die Möglichkeit, verschiedene historische Epochen, verschiedene Baustile und verschiedene politische Systeme, die sich im Städtebau niedergeschlagen haben, zu begutachten. In der Krankenpflege geht es überwiegend um die Wiederherstellung der Gesundheit. In der Stadtplanung geht es darum, die Lebenswürdigkeit herzustellen. Beides hört sich zuerst sehr konträr an, aber im Großen und Ganzen könnte man schon eine Verbindung ziehen. Sie sind in Nepal geboren, in Bremen und Berlin aufgewachsen, haben im Oman und in den USA gearbeitet – wie prägt diese internationale Perspektive Ihre Arbeit im kommunalen Bauamt? Planungsprozesse, die ich in den USA kennengelernt habe oder auch im Sultanat Oman beziehungsweise in den Golfstaaten, sind anders geprägt als bei uns in Deutsch- land oder im europäischen Raum. Bei uns geht es ja sehr auf Gesetze, weniger jetzt auf Repräsentation, was zum Beispiel im arabischen Raum anders ist. Dort ist die Stadtplanung mehr auf Alleinstellungsmerkmale wie zum Beispiel in Dubai das höchste Gebäude der Welt fixiert oder auf die Planung von CO2-neutralen Städten. Wir stehen aber alle vor denselben Herausforderungen, zum Beispiel der Anpassung des Städtebaus an den Klimawandel. Ich denke daher, dass man auch vom Großen dann aufs Kleinere schließen kann, etwa der Austausch zwischen Kommunen und Ländern. Das findet auch in Gemeinden statt, wie wir es hier zwischen der Gemeinde Mühlenbecker Land und Glienicke/Nordbahn haben. Wir sehen, dass es sowohl in Glienicke/ Nordbahn als auch im Mühlenbecker Land teilweise unterschiedliche Herangehensweisen gibt und da ist es schon ganz gut, wenn man den Blick vom großen Ganzen auf das Detail schärft. Die kleinste Planeinheit, die das deutsche Planungssystem kennt, ist nun mal die Kommune. Während Corona haben Sie in Krankenhäusern gearbeitet. Was aus dieser Zeit nehmen Sie heute in Führungsverantwortung mit? Konzentriertes zügiges Arbeiten unter extremem Druck. Ich musste damals unter erschwerten Bedingungen eine Höchstleistung erbringen, sowohl menschlich als auch fachlich. Eine derartige Drucksituation hatte ich vorher so noch nie erlebt. Ich denke, dass diese Zeit mich persönlich weitergebracht hat und ich zu dem Ergebnis kam: Okay, ich konnte es leisten. In der Position des Bauamtsleiters werde ich auch mit verschiedensten Ansprüchen konfrontiert, ob aus der Verwaltung, von den Bürgern oder aus der Politik. Da gilt oft, einen kühlen Kopf zu bewahren und unter Druck aussage- und handlungsfähig zu bleiben. Sie sagen, das interkommunale Bauamt von Mühlenbeck und Glienicke sei deutschlandweit besonders. Was macht dieses Modell so außergewöhnlich? Das Besondere ist, dass wir eine Vorreiterrolle einnehmen. Die interkommunale Kooperation ist die Zukunft. Der demografische Wandel und der Strukturwandel stellen Kommunen vor immer größere Herausforderungen. Interkommunale Kooperation ist ja nichts Unbekanntes. Wir erleben es bei uns in der Gemeinde, aber auch in den angrenzenden Kommunen, zum Beispiel bei den Zweckverbänden. Es ist doch viel schlauer, von vornherein zu kooperieren, wenn man auch kooperieren kann. Es ermöglicht einem mehr Perspektiven, als wenn man kooperieren muss. Ich finde, dass die interkommunale Zusammenarbeit gerade bei der Planung nicht unbedingt an den Ortsgrenzen enden sollte. „Die interkommunale Kooperation ist die Zukunft“ Interview mit Leo Schmidtmann, Leiter des gemeinsamen Bauamtes von Glienicke/Nordbahn und Mühlenbecker Land Leitet seit Anfang des Jahres das gemeinsame Bauamt: Leo Schmidtmann
RkJQdWJsaXNoZXIy NzY5NzY=