Mühlenspiegel 51

Mühlenspiegel: Wir alle wissen: Große Infrastrukturprojekte brauchen einen langen Atem. Wenn wir auf die i2030-Maßnahmen schauen, die für unsere Region relevant sind: Wo liegen momentan die größten Bremsklötze – ist es das Baurecht, das Geld oder hakt es in der Abstimmung zwischen den Bundesländern? Martin Pogatzki: Leider sind es alle drei Punkte zusammen: Planungsverfahren, Abstimmungen und vor allem die weiterhin nicht gesicherte Finanzierung. Es wird nach wie vor sehr intensiv um die Mittel für i2030 gerungen. Und leider ist nicht sicher, dass die eigentlich dringend notwendigen Projekte am Ende auch wirklich umgesetzt werden. Dabei ist der Bedarf offensichtlich. Die Region wächst, die Menschen wollen und müssen mobil sein, und der Raum ist begrenzt. Mehr Straßen zu bauen, ist schon aus Platzgründen keine Option. Wenn viele Menschen täglich zuverlässig mobil sein sollen, ist die Bahn das beste Mittel: Sie bündelt Verkehr, spart Fläche, entlastet Straßen und macht Mobilität auch für diejenigen möglich, die nicht selbst Auto fahren können oder wollen. Deshalb muss i2030 endlich als notwendige Grundversorgung für die wachsende Hauptstadtregion verstanden werden – nicht als freiwilliges Zukunftsprojekt, das man bei knappen Haushalten wieder nach hinten schiebt. Konkrete Impulse für unsere Gemeinde Mühlenspiegel: Die Reaktivierung der Heidekrautbahn – speziell die Stammstrecke durch Schildow – ist bei uns im Mühlenbecker Land ein absolutes Herzensthema. Wir wissen nun: Auch jetzt, im Jahr 2026, gibt es keinen Baustart. Lärmschutzgutachten und das zähe Planfeststellungsverfahren ziehen alles in die Länge. Was muss jetzt zwingend passieren, damit dieses wichtige Kernstück nicht auf dem bürokratischen Abstellgleis landet, sondern endlich gebaut wird? Martin Pogatzki: Jetzt braucht es vor allem Verbindlichkeit. Die Reaktivierung der Heidekrautbahn darf nicht immer wieder in neue Prüfschleifen geraten. Natürlich müssen Lärmschutz, Einwendungen und rechtliche Anforderungen sorgfältig behandelt werden. Aber am Ende muss ein Planfeststellungsverfahren auch zu einer Entscheidung führen. Wichtig ist, dass die Länder Berlin und Brandenburg, die NEB und die beteiligten Behörden gemeinsam auf einen belastbaren Zeitplan hinarbeiten. Die Menschen vor Ort haben Anspruch darauf zu wissen, wann was passiert. Und: Es wäre auch international ein schlimmes Zeichen, wenn ein finanziell überschaubares Projekt zur Reaktivierung bereits bestehender Gleise am Ende scheitert. jekt i2030 becker Land der Heidekrautbahn ende Metropolregion benötigt ein leistungsstarkes und verlässliches Land zu erleichtern. Der Ausbau einer leistungsfähigen Schieneninarum i2030 unseren Alltag verändern wird mann beim Interview artin Progatzki Meilensteine & Historie 1901 – Erste Fahrt Eröffnung der ursprünglichen Heidekrautbahn als wichtige Ausflugslinie und Lebensader vom Berliner Norden ins Umland. 1961 – Kappung der Strecke Mit dem Bau der Berliner Mauer wird die Stammstrecke unterbrochen. Der Bahnhof Berlin-Wilhelmsruh verliert seine Verbindung ins Umland. 1990er Jahre – Wiederaufnahme des Güterverkehrs Der Güterverkehr auf der Heidekrautbahn wird nach der Wende Anfang der 1990er Jahre wiederaufgenommen. Der direkte Anschluss zum Gewerbehof Pankow wird im Rahmen der Reaktivierungsmaßnahmen der historischen Stammstrecke zwischen Basdorf und Berlin-Wilhelmsruh ausgebaut. Januar 2019 – Planungsvereinbarung Die Länder Berlin und Brandenburg unterzeichnen gemeinsammit der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) die Planungsvereinbarung zur Reaktivierung der Stammstrecke. Dezember 2020 – Erster Spatenstich Symbolischer Baustart und erste bauvorbereitende Maßnahmen im Bereich des Bahnhofs Wilhelmsruh. Der Spatenstich markiert zugleich den offiziellen Start des Teilprojekts Heidekrautbahn innerhalb des Infrastrukturprogramms i2030. Sommer 2022 – Erste Auslegung der Planunterlagen Die Planungsunterlagen werden erstmals öffentlich ausgelegt. Zahlreiche Einwendungen von Bürgerinnen und Bürgern sowie Trägern öffentlicher Belange machen umfangreiche Überarbeitungen – insbesondere beim Lärmschutz – erforderlich. 2026 – Neuauslage der Planunterlagen Nach den umfangreichen Anpassungen beginnt eine erneute Öffentlichkeitsbeteiligung. Während die Unterlagen in Berlin bis Sommer 2026 ausliegen, wird die Auslegung für Brandenburg im Herbst erwartet. Zeithorizont 2030 Die Länder Berlin und Brandenburg, der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) sowie das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung Brandenburg gehen inzwischen davon aus, dass die vollständige Reaktivierung der Heidekrautbahn einschließlich der weiteren Anbindung an Berlin-Gesundbrunnen frühestens im Zeitraum um 2030 realisiert werden kann. Reaktivierung der Heidekrautbahn / 35

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