Gemeinde Mühlenbecker Land

Seitenbereiche

Aktuelles & Beteiligung
Navigation

Nachrichten

Seiteninhalt

Müll im Wald: Oberhavel wehrt sich!

Artikel vom 24.11.2022

Müllfundstelle in Oberhavel
(c) Oberförsterei Neuendorf
Müllfundstelle in Oberhavel
(c) Oberförsterei Neuendorf

Das Mühlenbecker Land macht den Aufschlag für einen Schulterschluss zwischen unterschiedlichsten Behörden im Kampf gegen den Müll in unseren Wäldern.

Die Fotos zeigen tonnenschwere Ladung von Dachpappe und Asbest, Berge von Big-Packs voller Bauschutt – mitten im Wald. Was Oberförster Frank-Michael Hintze am Montag, 21. November 2022, präsentierte, waren nur ein paar der jüngsten Müllfunde mitten in Oberhavels Wäldern. „Das kann kein Mensch nur mit einem Anhänger in den Wald schaffen, hier ist organisierte Kriminalität am Werk“, so sein Fazit.

Das Problem hat in den letzten zwei Jahren exponentiell zugenommen: Der Landesbetrieb Forst Brandenburg, der für die Entsorgung „herrenloser“ Abfälle zuständig ist, investierte 2019 noch rund 7.500 Euro in die Beseitigung – dagegen wurden 2022 bereits schwindelerregende 80.000 Euro allein dafür ausgegeben, Stand Mitte November! Die Kosten für die Entsorgung durch die AWU sind hier noch nicht mit eingerechnet. Inzwischen gehen 80 Prozent der Arbeitszeit unserer Forstwirte ausschließlich für das Mülleinsammeln drauf.

Filippo Smaldino, Bürgermeister im Mühlenbecker Land, hat sich des Problems nun angenommen – auch in eigenem Interesse: Das Mühlenbecker Land stellt aktuell den größten Hotspot in Oberhavel dar; rund 20 neue Müllabladestellen kommen jede Woche allein innerhalb unserer Gemarkung dazu!

Gemeinsam dem Müll den Kampf ansagen:
Gemeinsam dem Müll den Kampf ansagen:
"Runder Tisch Oberhavel" am 21.11.2022 im Bürgersaal Schildow

Alle Beteiligten an einem Tisch

So lud das Mühlenbecker Land am 21. November zu einem „Runden Tisch Oberhavel“ zum Thema „Kein Müll in den Wald“ nach Schildow ein. Der Einladung folgten neben der Oberförsterei, Bürgermeister und Vertreter aller Kommunen Oberhavels, der Landrat, hochrangige Vertreter der örtlichen Polizei sowie Abgeordnete aus dem Brandenburger Landtag und eine Vertreterin des Bundestags.

Bürgermeister Smaldino zeigte sich beeindruckt von der Größe der Runde: „Dass wirklich alle Kommunen aus Oberhavel unserer Einladung gefolgt sind – und das so kurz vor Weihnachten, wo ja ohnehin viel zu tun ist – zeigt wie groß hier auch das Interesse an einer gemeinsamen Lösung ist! Obwohl wir Kommunen im ‚Herzkranz‘ von Berlin klar die Hauptlast der Müllproblematik tragen, brauchen wir doch die Unterstützung und Verzahnung zwischen allen Behörden in Oberhavel, und noch weit darüber hinaus, wenn wir in diesem Kampf etwas bewegen wollen!“

Wollen gemeinsam etwas bewegen: Bürgermeister Smaldino (Mitte) mit Vertretern der kommunalen, Kreis-, Landes- und Bundesebene
Wollen gemeinsam etwas bewegen: Bürgermeister Smaldino (Mitte) mit Vertretern der kommunalen, Kreis-, Landes- und Bundesebene

Keine schnelle Lösung

Wie die Gespräche zwischen den Akteuren am Runden Tisch zeigten, ist das Problem vielschichtig und komplex. Viele vermeidlich „einfache“ Maßnahmen, wie Absperrungen oder Kameraüber­wachung, scheitern an der bundes- oder landesweiten Gesetzgebung. Hier ist politischer und gesellschaftlicher Druck gefragt, damit sich etwas ändert. So werden sich die Akteure Oberhavels im Nachgang des Rundes Tisches noch einmal im Schulterschluss an die Landes- und Bundespolitik wenden. Auch die anwesenden Abgeordneten Inka Gossmann-Reetz und Heiner Klemp positionierten sich klar an der Seite Oberhavels und wollen Lösungsansätze auf Landesebene vorantreiben.

Gleichzeitig sollen auf interkommunaler Ebene konkrete Maßnahmen abgestimmt und angeschoben werden. Im Gespräch sind z.B. verstärkte Müllstreifen. „Wir gehen hier ein sehr, sehr schweres Feld an. Wir können nur ausprobieren, welche Maßnahmen Erfolg zeigen“, betonte Bürgermeister Smaldino. „Allerdings brauchen wir hier nichts neu erfinden, sondern wollen gemeinsam von anderen lernen. Der Landkreis Barnim hat hier schon einiges bewegt. Außerdem stimmen wir uns mit den Berliner Bezirken Reinickendorf und Pankow ab.“

Abschreckung & Nachverfolgung

Eine ganz konkrete Maßnahme hat sich der Bürgermeister für das Mühlenbecker Land schon vorgenommen: Die bereits bestehende ehrenamtliche „Sicherheitspartnerschaft“ in enger Zusammen­arbeit mit Ordnungsamt und Polizei soll im kommenden Jahr aufgestockt und für die Arbeit als „Müllstreife“ ausgestattet werden. Bürgermeister Smaldino hofft, dass diese Intensivierung mögliche Täter abschreckt und von anderen Kommunen oder sogar von Landkreis aufgegriffen wird.

Ein großes Problem ist auch die Strafverfolgung. Die Polizei verzeichnet 2022 im Landkreis Oberhavel gerade einmal 19 Anzeigen gegen Müllsünder! Revierpolizeileiter Stefan Boye betonte, wie wichtig Anzeigen und Zeugenhinweise seien – nicht nur zur Bestrafung des einzelnen Täters, sondern auch für die Entwicklung von Maßnahmen zur gesamten Problembekämpfung. Hier kann jede Bürgerin und jeder Bürger mithelfen und Beobachtungen melden!

Hinweise auf Müllfunde im Mühlenbecker Land melden Sie z.B. über den Mängelmelder MAERKER unter maerker.brandenburg.de/bb/muehlenbecker-land oder in unserer Mühlenbecker-Land-App. Akute Beobachtungen und Verdachtsmomente, insbesondere bei Gefahrenstoffen, melden Sie bitte direkt an die Polizei unter der 110.