Gemeinde Mühlenbecker Land

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Jugendbefragung 2025

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#JetztSindWirDran

„Solche Umfragen sollten zum Standard werden“ (Jugendbefragung 2025: Junge Stimmen aus dem Mühlenbecker Land)

Unter dem Motto „#JetztSindWirDran“ hat die Gemeinde Mühlenbecker Land im vergangenen Jahr gezielt Kinder und Jugendliche dazu aufgerufen, ihre Meinung zu sagen. Initiiert, durchgeführt und nun auch ausgewertet wurde die Jugendbefragung 2025 von der Jugendbeauftragten der Gemeinde, Franziska Sander. Ziel war es, ein umfassendes Bild über die Lebensrealität junger Menschen vor Ort zu gewinnen; direkt, ehrlich und aus ihrer eigenen Perspektive.

Wie erleben Kinder und Jugendliche das Leben im Mühlenbecker Land? Was läuft gut – und wo gibt es Verbesserungsbedarf? Was bewegt sie, welche Sorgen und Konflikte beschäftigen sie und was wünschen sie sich für ihre Zukunft?

Ein besonderer Fokus lag dabei auf echter Beteiligung: Die Inhalte der Umfrage wurden nicht allein von Erwachsenen entwickelt, sondern gemeinsam mit Jugendlichen erarbeitet. In einem Workshop sammelten engagierte junge Menschen Themen, die sie bewegen, und formulierten Fragen, die sie selbst für relevant halten. So entstand eine Befragung 'von Jugendlichen für Jugendliche', die bewusst niedrigschwellig, anonym und alltagsnah gestaltet wurde.

Die Teilnahme war sowohl digital als auch direkt vor Ort möglich. Um möglichst viele junge Menschen zu erreichen, war die Jugendbeauftragte mit der Umfrage auf verschiedenen Veranstaltungen im gesamten Mühlenbecker Land unterwegs, unter anderem bei einer Pizzaparty am Spielplatz Feldheim, den 650-Jahr-Feiern in Schildow und Mühlenbeck sowie am Strandbad Kiessee. Postkarten, QR-Code-Sticker und Mitmachaktionen, die auf Ideen der Jugendlichen selbst zurückgehen, machten auf die Befragung aufmerksam und luden zur Teilnahme ein.

Die Teilnahme stand allen Jugendlich offen, die im Mühlenbecker Land leben, lernen oder ihre Freizeit verbringen. Ziel war es, möglichst viele Stimmen einzufangen und sichtbar zu machen.

Die Ergebnisse dieser Befragung sind mehr als nur Zahlen: Sie liefern wichtige Hinweise für Politik, Verwaltung und Jugendarbeit, zeigen Handlungsbedarfe auf und geben jungen Menschen eine Stimme in Entscheidungsprozessen. Gleichzeitig sind sie auch ein klarer Auftrag an die Gesellschaft genauer hinzuhören.

„Bitte redet mit uns“ – was junge Menschen Erwachsenen sagen wollen

Insgesamt 427 junge Menschen beteiligten sich und haben ihre Perspektiven eingebracht. Ein starkes Signal der jungen Menschen für Interesse, Mitwirkungsbereitschaft und Verantwortungsgefühl für die eigene Gemeinde.

Die Mehrheit der Teilnehmenden ist zwischen 10 und 17 Jahre alt, besonders stark vertreten sind die 12- bis 14-Jährigen (33 %). Auch die Verteilung über die Ortsteile zeigt ein klares Bild: Die meisten Rückmeldungen kamen aus Mühlenbeck (29,11 %) und Schildow (27,51 %), gefolgt von Schönfließ (15,78 %) und Zühlsdorf (10,53 %). 77,21 % der Befragten gehen aktuell zur Schule. Die Geschlechterverteilung ist weitgehend ausgeglichen, mit einem leichten Überhang weiblicher Teilnehmender (50,36 % weiblich, 46,78 % männlich, 0,95 % divers, 1,91 % ohne Angabe).

Die größten Herausforderungen im Leben der Jugendlichen liegen auf dem Tisch, so werden Leistungsdruck (38,62 %), finanzielle Sorgen (36,06 %) und Mobbing (27,37 %) besonders belastend empfunden. Hinzu kommt der Wunsch nach mehr Treffpunkte für Jugendliche (31,20 %). Auch die bessere Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel ist ein Dauerthema, ein wichtiger Punkt, der die Gemeindeverwaltung und Politik mit nur wenig Handlungsspielraum schon seit Jahren beschäftigt.

„Auch wir haben Probleme, die für euch vielleicht nicht von großer Bedeutung sind, für uns aber schon.“

Ein Blick auf das Wohlbefinden zeigt: Die Mehrheit der Jugendlichen fühlt sich im Mühlenbecker Land grundsätzlich wohl. 62,07 % gaben an, sich in den letzten Wochen gut bis sehr gut gefühlt zu haben. Gleichzeitig berichten 13,05 % von einer eher mittelmäßigen Stimmung und 9,11 % von einem schlechten bis sehr schlechten Befinden. Besonders alarmierend ist, dass 30 junge Menschen angaben, niemanden zu haben, mit dem sie über ihre Probleme sprechen können. Dies entspricht dem Hinweis eines jungen Teilnehmenden, man solle mal fragen, „Ob es mir seelisch gut geht.“ Ein zentraler Auftrag ist somit der Ausbau der Jugendarbeit – sowohl in bestehenden Einrichtungen als auch durch mehr aufsuchende Arbeit direkt in den Ortsteilen. Denn erreicht man Jugendliche dort, wo sie sich aufhalten, können Vertrauensbeziehungen aufgebaut und vorhandene soziale Angebote, wie Jugendclubs, Schulsozialarbeiterinnen, Vereine, Beratungsstellen und Jugendbeauftragte vermittelt werden.

 

Fehlende Straßenbeleuchtung, keine sicheren Übergänge, zu wenig Fahrradwege und Konflikte

Auch ganz konkrete Hinweise aus dem Alltag wurden zahlreich genannt und diese betreffen direkt das Leben vor Ort: Viele Kinder und Jugendliche fühlen sich auf bestimmten Wegen und Straßen, oder Plätzen im Mühlenbecker Land unsicher. Häufig genannte Gründe dafür sind vor allem fehlende oder unzureichende Beleuchtung, unsichere Straßenquerungen und eine insgesamt mangelnde Verkehrssicherheit. So äußerten die jungen Menschen, dass sie sich „Generell abends auf den Straßen ohne Straßenbeleuchtung“ unwohl fühlen und wünschen sich „Mehr Sicherheitskräfte! Keine Angst haben müssen“. Diese Hinweise gilt es nun sorgfältig zu prüfen und ggf. eine Verbesserung der Straßenbeleuchtung, Maßnahmen zur Schulwegsicherheit sowie eine stärkere Präsenz von Ordnungsamt und Sicherheitspartnern zu erwirken. Hier braucht es sichtbare und spürbare Verbesserungen im Alltag der jungen Menschen.

 

„Schule ist so anstrengend wie ein Arbeitstag. Wir brauchen danach einen Rückzugsort mit Freunden.“

Ein Blick auf die Freizeitgestaltung zeigt: Am liebsten treffen sich die Jugendlichen mit Freundinnen und Freunden (84,20 %), gefolgt von Zeit mit der Familie (62,95 %) und Musik (55,70 %). Auch digitale Angebote wie Social Media (48,96 %) und Gaming (47,41 %) sind ebenfalls fest im Alltag verankert. Gleichzeitig gibt fast die Hälfte (44,30 %) an, viel Zeit allein im eigenen Zimmer zu verbringen. Sportvereine (42,49 %), kreative Aktivitäten (29,02 %) und Lesen (25,13 %) ergänzen das Freizeitverhalten.

Viele der Befragten haben zudem konkrete Ideen, wie das Leben und die Freizeitangebote im Mühlenbecker Land noch attraktiver gestaltet werden können: Gewünscht werden mehr Treffpunkte mit Bänken und Pavillons, ein Spielplatz mit schöneren Geräten auch für ältere Kinder und Jugendliche, eine Skateranlage oder ein Pumptrack sowie gezielte Angebote für unterschiedliche Altersgruppen. Neben klassischen Formaten wie ein Sportkurs oder Kochkurs nur für junge Erwachsene, Kreativangebote für unter 12-Jährige wurden auch neue Formate angefragt, etwa Jugenddiscos, Mangatreff, Open-Air-Kino oder Angebote in Nischenbereichen wie Bouldern, Parcours, Bogenschießen, Turnen oder Fotografie. Hier bieten sich noch mehr Möglichkeiten, junge Menschen miteinander in Kontakt zu bringen. Auch zusätzliche Infrastruktur – etwa Cafés oder Einkaufsmöglichkeiten – wurde mehrfach genannt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass bestehende Angebote oft nicht ausreichend bekannt sind. Es braucht neue Wege, um Jugendliche in der Gemeinde besser zu erreichen.

 

„Keiner von uns weiß, wie unsere Zukunft aussieht, und wir alle haben große Angst davor.“

Zu den größten Sorgen zählen Krieg, Klimawandel und Naturkatastrophen, Krankheiten und Pandemien sowie Ängste vor Arbeitslosigkeit und finanziellen Schwierigkeiten. Dies wird nochmals in den offenen Antworten deutlich: "Es gibt viel zu wenig bezahlbaren Wohnraum in der Gemeinde". Ein Problem, dass viele Menschen jeden Alters betrifft. Trotz aller Herausforderungen blicken viele junge Menschen optimistisch nach vorn: 67,29 % sehen ihre Zukunft positiv bis sehr positiv. Dennoch äußern 14,32 % auch Sorgen, und diese Unsicherheiten sind groß: „Nicht nur trägt unsere Generation eine riesige Last auf den Schultern wegen Politik, Klimawandel, soziale Ungerechtigkeit, Inflation, Wirtschaftskrise, sondern auch weil wir gar nicht wissen, wo wir reinpassen.“

Ein weiteres wichtiges Ergebnis betrifft die Zukunftsvorbereitung: 55,29 % der Jugendlichen fühlen sich nicht ausreichend auf das Leben nach der Schule vorbereitet. Als direkte Reaktion darauf hat Franziska Sander, die Jugendbeauftragte der Gemeinde Mühlenbecker Land, die Workshopreihe „My Future“ ins Leben gerufen. Der erste Workshop beschäftigte sich mit Finanzen, Verträgen und der ersten eigenen Wohnung; der zweite umfasst einen Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskurs. Weitere Angebote sind bereits in Planung.

 

„Als jugendliche Person entsteht der Eindruck, dass wir nicht wahr- oder ernstgenommen werden – bitte redet mit uns.“

Aussagen wie: „Finde es toll, dass mehr in Richtung Jugendbeteiligung gemacht wird und es auch für die Jugendlichen sichtbar ist.“, „Sie sollten mehr Verständnis für Jugendliche haben, weil sie oft vergessen, dass sie auch mal jung waren.“, „Selten wird man gefragt, wie man die politische Lage findet, was unsere Meinung ist, obwohl wir mit den Entscheidungen der alten Politiker leben.“ machen deutlich, dass der Wunsch nach Beteiligung und ernstgenommen zu werden groß ist. Viele Jugendliche möchten stärker in Entscheidungen einbezogen und besser über politische Entscheidungen informiert werden. Gleichzeitig zeigen sie eine große Bereitschaft, sich einzubringen und das Leben im Mühlenbecker Land aktiv mitzugestalten: „Wir wollen auch den Ort verbessern, nicht nur die 'Chaotische Gen Z' etc. sein.“, „Seid nett zu uns. Wir wünschen uns einfach einen respektvollen Umgang.“

Mit der Entwicklung des Beteiligungsleitfaden innerhalb von Verwaltung und Politik befindet sich die Gemeinde Mühlenbecker Land bereits auf einem guten Weg. Das Verfahren soll spätestens nächstes Jahr abgeschlossen werden, um verbindliche und dauerhafte Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen zu schaffen. Hierbei ist vor allem die verbesserte Zugänglichkeit von Informationen, in jugendgerechter Sprache und auf jugendgerechten Kanälen, Inhalt der künftigen Arbeit.

 

„Ich habe mich über die Umfrage gefreut.“

Diese Stimmen machen deutlich: Es geht nicht nur um Angebote, sondern auch um Haltung, Zuhören und ernst gemeinte Beteiligung.

Die jungen Menschen im Mühlenbecker Land haben nicht nur mit Herausforderungen zu kämpfen, sondern auch viele Ideen, Perspektiven und konkrete Vorschläge, die das Leben in unserer Gemeinde für alle bereichern können.

Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um miteinander ins Gespräch zu kommen – im Alltag, in der Familie, in der Nachbarschaft. Fragen wir nach, hören wir zu und nehmen wir die Lebensrealität junger Menschen ernst.

„Ich hoffe, dass meine Meinung wirklich zählt und auch etwas bringt. Vielen Dank! :)“

 

Noch Fragen?
Für Rückfragen steht Euch unsere Jugendbeauftragte Franzi Sander zur Verfügung:
Tel. 033056 841-72 • Tel. 0155 60 20 85 87 • Mail: sander(@)muehlenbecker-land.de